Im Einsatz über Europa

Der Jagdflieger Günther Scholz erinnert sich

"Im Einsatz über Europa" ist ein Zeitzeugenbericht eines Mannes, der ein wichtiges Kapitel deutscher Luftkriegsgeschichte hautnah miterlebt hat.

Günther Scholz, Jahrgang 1911, trat Anfang 1934 in die Marine ein und begann eine Offizierslaufbahn. Als Leutnant und Jagdflieger erlebte er anschließend den Aufbau der deutschen Luftwaffe.

1938 flog er an der Seite von Adolf Galland und Werner Mölders als Angehöriger der "Legion Condor" im Spanischen Bürgerkrieg und sammelte erste Kampferfahrungen.

Bei Beginn des Zweiten Weltkrieges war Scholz Oberleutnant und Staffelkapitän im JG 54. Er erlebte mit seiner Staffel den Polen- und Westfeldzug, die Luftschlacht um England, den Jugoslawienfeldzug, sowie den Krieg gegen Rußland.

1942 kam Scholz als Gruppenkommandeur im JG 5 an die Eismeerfront. 1943 übernahm er selbst die Führung des Geschwaders, welches unter schwierigsten klimatischen Bedingungen nördlich des Polarkreises große Erfolge erringen konnte. Den Krieg beendete Günther Scholz als Oberstleutnant und Jagdfliegerführer Norwegen.

Im Jahr 2009 gehört Günther Scholz mit zu den letzten noch lebenden Angehörigen der "Legion Condor". Darüber hinaus ist er eine der letzten großen Persönlichkeiten der deutschen Luftwaffe, die noch selbst von ihrem Erleben berichten können. Das macht das vorliegende Buch so interessant.

ISBN 978-3-00-027503-6

2. überarbeitete Auflage

401 Seiten, 311 bisher unveröffentlichte Fotos und Abbildungen, Hardcover, gebunden

27,90 Euro zzgl. Verpackung und Versand.

 

Auszug aus dem Inhalt

"...

Aus der Zeit unserer Flüge nach London ist mir ein Ereignis ganz besonders in Erinnerung geblieben. Wir hatten mal wieder einen schweren Luftkampf zu bestehen. Es war eine mächtige Kurbelei im Gange. Unbemerkt von mir konnte sich eine Spitfire hinter mich setzen. Gerade noch rechtzeitig wurde ich über Funksprech gewarnt: „Achtung Nummer eins, Indianer hinter Dir!“ Indianer waren die Decknamen für die Engländer. Die Engländer wiederum nannten uns Banditen. Ich fand unseren Begriff etwas vornehmer.

 

In dem Augenblick, wo ich die Warnung hörte, drehte ich mich um und sah ziemlich dicht hinter mir eine schießende Spitfire. Ich sah das gelbrote Mündungsfeuer der MG´s. Die Spitfire hatte davon vier, jeweils zwei in den Flächen. Ich flog zu dieser Zeit eine Messerschmitt mit einem Rückenpanzer aus Stahl in der Kabine, welcher am hinteren Teil des Kabinendaches befestigt war und von der Hüfte bis über den Kopf reichte. So weit ich mich heute erinnere, war unsere komplette Gruppe damit ausgerüstet. Später habe ich diese Rückenpanzer nicht mehr erlebt.

 

Der Engländer hatte gut getroffen. Ich sah nicht nur das Mündungsfeuer, sondern hörte auch in meinem Rücken Einschläge. Ohne die Panzerung wäre der Luftkampf damit zu Ende gewesen, so jedoch hinterließen die Treffer lediglich drei Dellen im Rückenpanzer.

 

Wir waren auf ungefähr 4.000 m Höhe. Intuitiv machte ich einen Abschwung nach unten und stürzte auf 3.000 m runter. Das alles spielte sich in Bruchteilen von Sekunden ab. Mein Glück war nun, daß der Engländer mir nicht folgte. Ich vermute, es handelte sich dabei um einen jüngeren, nicht so erfahrenen Flugzeugführer, sonst wäre er mir gefolgt. Oder aber er sah mich als bereits sicheren Luftsieg. In seinen Augen hatten seine Geschosse auch sehr gut getroffen. Er konnte durchaus annehmen, mich eventuell damit getötet zu haben. Den Sturzflug konnte er dahingehend interpretieren, daß die Maschine führerlos dem Boden entgegen trudelte.

 

Wie auch immer, für mich war dies ein unerhörter Glücksfall. Nachdem ich die Messerschmitt wieder abgefangen hatte, überprüfte ich meine Maschine auf Beschädigungen. Das Funksprechgerät funktionierte nicht mehr. Dieses saß hinten im Rumpf drin und die Geschosse der Spitfire dürften davon nicht mehr viel übrig gelassen haben. In meiner Kabine war es damit still geworden. Von dem ganzen Geschrei während der Luftkämpfe hörte ich nichts mehr. Auf der anderen Seite war ich nun ohne jede Verbindung zu meinen Leuten. Ich mußte ja wieder Anschluß finden.

 

Viel machen konnte ich nicht mehr. Das Ereignis hatte südöstlich von London stattgefunden. Die Luftkämpfe waren mit Sicherheit noch immer im Gange. Ich flog in Richtung Heimat. In der Nähe des Kanals bemerkte ich, wie meine Kühlstofftemperatur immer höher ging, scheinbar hatte auch die Kühlleitung etwas abbekommen. Ich drosselte den Motor. Hoffentlich sind nicht weitere Spitfires oder Hurricanes in der Nähe. Doch ich kam ungeschoren über den Kanal und konnte gut in Guines landen.

..."

 

Günther Scholz ist Träger des Spanienkreuzes in Gold mit Schwertern und des Deutschen Kreuzes in Gold. Im Spätsommer 1940 erhielt er für seinen Einsatz in der Luftschlacht um England als einer der ersten Angehörigen der Luftwaffe den Ehrenpokal für besondere Leistungen im Luftkrieg.

 

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